Spremberger Originale - Entdecken Sie unsere Region

Sprembergs lebendige Legenden

Zwischen Kopfsteinpflaster, Spreeufer und alten Häusern – Geschichten, Charaktere und Heimatliebe aus Spremberg   
Die Spremberger Originale sind eine Mischung aus realen historischen Personen, Romanfiguren und Sagengestalten, die das kulturelle Erbe der Stadt Spremberg prägen. Die Grenze zwischen historischem Fakt und lokalem Humor ist fließend, was den Figuren ihren besonderen Charme verleiht. Die Originale werden seit vielen Jahren von Bürgern und Vereinen bei Stadt- und Heimatfesten sowie zu anderen Anlässen zum Leben erweckt. Sie sind längst mehr als nur Geschichten – man findet sie als Bronzefiguren am Rainer-Scheudeck-Platz, auf einem eigens kreierten Skatspiel und als zwei Meter hohe Begrüßungstafeln an den Ortseingängen.  Die Spremberger Originale erzählen von großen Worten, kleinen Eigenheiten und dem besonderen Humor einer Stadt, in der man sich kennt – nicht vergisst.

Der Spremberger Spaßvogel Heinrich Günter begann sich ab 1915 einen Namen als Harri Piel zu machen, wohl in Anlehnung an den Filmschauspieler und Regisseur Harry Piel. Für seine Streiche erhielt er zahlreiche Ordnungsstrafen, die er in Pfennigen per Schubkarre in die Polizeiwache brachte und dort auskippte. Die Spremberger waren zu seinen Streichen stets zahlreich erschienen und zollten reichlich Beifall. Als er an einem Teich angelte, was dort verboten war, und von einem Schutzmann ermahnt
wurde, zog er den Fisch aus dem Wasser und sagte, dass
er seinen Salzhering wässern könne wo er wolle!

Harri Piel

Mutter Birnbaum war eine Ur-Sprembergerin, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Stadt Obst und Gemüse verkaufte. Frisch und preiswert war ihre Ware, meist selbst angebaut im eigenen Garten oder von gepachteten Obstbaumalleen geerntet. Stets wurden die Kunden freundlich bedient, immer einen flotten Spruch auf den Lippen und ab und zu ein bisschen Tratsch. Ihren Stammplatz hatte sie an der Stelle, wo heute ihre Bronzefigur steht – auf dem Scheudeck-Platz. 
Ach ja, warum hieß sie Birnbaum? Na ganz einfach, weil sie Birnbaum hieß, Wilhelmine Birnbaum aus der Bautzener Straße 87.

Mutter Birnbaum

Nachtwächter Kulke ist eine beliebte Volksfigur in Spremberg. Er tritt seit der großen „vorfristigen“ 1000-Jahr-
Feier von 1893 auf. Er trug Uniform und hatte Stalllaterne, Hellebarde und Blashorn dabei. Bei den Umzügen war er oft mit einem Hochrad anzutreffen. 1987 wurde Rainer Scheudeck Spremberger Nachtwächter. Nach ihm ist der
Platz an der Dresdener Straße benannt, auf dem die Bronzefiguren der Spremberger Originale stehen. Scheudeck war leidenschaftlicher Kulturmacher in der Stadt und Faschingspräsident in seinem Verein, dem
Motorsportclub Spremberg. Er hatte immer neue Ideen auf Lager.

Nachtwächter Kulke

Die Sage berichtet etwa aus der Zeit des 7-jährigen Krieges. (1756–1763). Nach der Verbannung aus der Stadt schwor Lauermann Rache. Einige Zeit hörte man nichts von ihm, dann machte er mit seiner Räuberbande die Gegend unsicher. Schön-Ännchen konnte er jedoch nicht vergessen. Weil er sich ihrer Liebe sicher war, entführte er sie. Aber ach: aufgeschreckt von seinen bösen Taten war ihre Zuneigungzu ihm erkaltet. Lauermann dachte: Wenn er Ännchen nicht bekam, dann sollte der andere sie auch nicht besitzen. Er forderte Graf Bodo zum Duell und tötete ihn. Räuber waren damals wohl bessere Schützen als die Herren Offiziere…

Räuberhauptmann Lauermann

Seyfried von Loeben soll der Sage nach mit Kaiser Barbarossa auf dem dritten Kreuzzug nach Jerusalem, der von Sultan Saladin eroberten „Heiligen“ Stadt, gezogen sein. Mit von der „Partie“ war der englische König Richard Löwenherz. Der Kreuz-zug endete nach drei Jahren 1192 mit einem Friedensvertrag, der unbe-waffneten christlichen Pilgern den freien Zugang nach Jerusalem sich-erte. Seyfried kehrte wohlbehalten zu seiner Geliebten Jutta von Kittlitz zurück. Die von Loeben sind ein altes sächsisch-schlesisches Adelsge-schlecht, deren Zweige zum Teil bis heute bestehen. Sie waren beson-ders in Sachsen und in der Niederlausitz ansässig.

 

Seyfried von Loeben

Die wohl bekannteste Spremberger Sage rankt sich um die Liebe der Jutta von Kittlitz zu Seyfried von Loeben: Jutta hat im 12. Jh. auf der Spremberger Burg gelebt und auf ihren Geliebten Seyfried gewartet, der auf dem Kreuzzug war. Eine Er-scheinung der Jungfrau Maria mit dem Christuskind auf dem Arm hat ihr auf dem Georgenberg prophe-zeit, dass ihr Geliebter in Bälde wohlbehalten zurückkehren wird. Als Dank für die Prophezeiung und die glückliche Heimkehr von Seyfried stiftete Jutta auf dem Georgenberg eine Kapelle und ein Siechenhaus. Die Familie von Kittlitz war dreimal Besitzer der Herrschaft Spremberg.

Jutta von Kittlitz

Herzog Heinrich von Sachsen-Merseburg gehörte zu den bedeutendsten Herrschern von Spremberg. Er residierte hier von 1694 bis 1731 und das Städtchen profitierte davon. So wurde nach dem großen Brand von 1705 mit seiner Unterstützung die Stadt wieder aufgebaut. Für das Handwerk erließ er Privilegien, die zum Auf-blühen des Gemeinwesens beitrugen. Auch den schönen Dingen war er nicht abgeneigt. Er ließ einen Lustgarten errichten und frönte gern der Jagd. Sein bevor-zugtes Jagdgebiet wurde nach ihm benannt – Heinrichsfeld. Der Ort entstand Anfang des 18. Jahrhun-derts aus einem Erbpachtsvorwerk und ist heute Bestandteil der Stadt Spremberg.

Herzog Heinrich

Im Hildebrandslied aus dem 9. Jahr-hundert, einem germanischen Heldenlied, wird von den Recken Hildebrand und Hadubrand berich-tet. Sie stehen sich als Feinde gegenüber, aber der Ältere erkennt, dass der Jüngere sein Sohn ist. Kann der Kampf verhindert werden? Sein Ausgang ist dort nicht überliefert. Jüngere Versionen (13. Jahrhundert) sprechen von Versöhnung. Hilde-brand wird zudem im Nibelungenlied erwähnt als Waffenmeister von Dietrich v. Bern, dem Ostgotenkönig Theoderich dem Großen. Helden über Helden. So gesehen haben die Spremberger den Namen Hadu-brand für ihren tapferen Komman-danten der Stadtwache zünftig gewählt.

Obrist Hadubrand

In der Sage und in den Groschenheften des Viktor von Falk liebte der arme Aktuar Heinrich Oswald Lauermann Schön-Ännchen und Ännchen liebte Lauermann. Doch ihr Vater wollte den Offizier aus adligem Hause, der um die Hand seiner Tochter anhielt, als Schwiegersohn. Ännchen weinte und beschwor ihren Vater auf Knien, seine Zustimmung nicht zu geben. Doch dieser blieb hartherzig. Zu dieser Zeit bestimmten die Väter den Ehemann für die Töchter, jedoch ohne sie zu fragen. Lauermann duellierte sich dann mit dem Grafen bei der Linde am Steinernen Kreuz von  ochsdorf, das noch heute da steht.

Schön-Ännchen

Der reiche Spremberger Großkaufmann und Ratsherr Sinapius hatte eine entzückende Tochter, Schön-Ännchen genannt. Sie verliebte sich in den armen Aktuar Lauermann, und er verliebte sich in sie. Was lag näher für den Liebhaber, als bei Vater Sinapius um die Hand Ännchens anzuhalten. Der Kauf-mann gehörte jedoch zur wirt-schaftlichen Elite der Stadt. Er machte sich über den mittellosen Antragsteller lustig und unterstellte ihm, auf Ännchens große Mitgift aus zu sein. Damit ihn dieser Störenfried nicht länger belästigt, macht Sinapius seinen Einfluss als Ratsherr geltend und ließ Lauermann aus der Stadt verbannen, und so begann die Tragödie …

Ratsherr Sinapius

Marketenderinnen – es waren meist Soldaten-frauen – versorgen als Händlerinnen die Truppe auf den Feldzügen. In Frie-denzeiten waren sie in den festen Garnisonen oder Lagern zugange. Sie ver-kauften Lebensmittel und Branntwein, übernahmen das Kochen, wuschen und flickten Uniformen, küm-merten sich um Kranke und Verletzte. Sie waren ein wichtiger Teil des so-zialen Gefüges und sich-erten so das Überleben ihrer Familien. In Sprem-berg verdrehen die Mar-ketenderinnen nicht nur der Stadtwache, den Lan-gen Kerls und den Räubern den Kopf, sondern bei ih-rem Ausschank von Bier und Wein auf den Stadt-festen auch so manchem Besucher …

Marketenderinnen

Die Gemeinschaft der Humpenbrüder wurde 1997 gegründet. Natürlich sind auch Humpenschwestern dabei. Sie pflegen die Spremberger Traditionen, sorgen für gute Laune und dass zu besonderen An-lässen aus dem Brunnen am Bullwinkel nicht nur Wasser fließt. Sie sind fester Bestandteil der Hei-matfeste und treten oft zu weiteren Anlässen auf. Tra-ditionell spendiert der Bürgermeister zu den Hei-matfesten ein Fass Bier aus dem Brunnen. Übri-gens, mehr als 115 Sprem-berger sind ehrenhalber im Besitz eines Humpens, der ihnen einen kosten-losen Trunk auf Lebenszeit garantiert. Wie man zu die-ser Ehre kommt? Das fragen Sie am besten die Humpenbrüder selbst …

Die Humpenbrüder

Früher hatten die Bürger bewaffnet unentgeltliche Wachdienste für die Stadt zu leisten. Ihre Aufgabe war, für Sicherheit und Brandwarnung zu sorgen, die Stadttore zu überwa-chen und Zölle zu erheben. Daraus entwickelten sich später Garden oder Söld-nertruppen, die bezahlt wurden. Die Wachen waren oft mit Hellebarden ausgerüstet, um Unruhe-stiftern entgegenzutreten und diese auf Distanz zu-halten. Die heutige Sprem-berger Stadtwache beglei-tet das Stadtoberhaupt bei feierlichen Anlässen in der Stadt, sorgt dabei für „Ruhe und Ordnung“ und ist als „Ordnungsmacht“ selbst-verständlich einem kleinen Dankeschön-Schluck nicht abgeneigt …

Stadtwache

Die Langen Kerls, das Regiment Kurprinz, wurde 1675 aufgestellt. Die jungen Männer mussten mindest-ens 1,88 Meter groß sein, was damals selten war. Das Regiment wurde 1740 verkleinert auf die Königs Grenadier-Garde Nr. 6. Es nahm an vielen Schlacht-en teil, so im Siebenjähr-igen Krieg, als Friedrich II., der „Alte Fritz“, in Sachsen einmarschierte und das Land besetzte. In Sprem-berg war die Garde nicht, aber in Burg/Spreewald. Die Kunde von den beson-ders großen Soldaten ge-langte so zu den Sprem-bergern, die über dreihun-dert Jahre später, diese zur Freude der Einwohner und Gäste durch die SG Einheit „nachstellten“.  

Die Langen Kerls

Im Frühjahr 1996 machte Rainer Scheudeck, damals Spremberger Nachtwächter Kulke, bei einer Hei-mat festsitzung den Vorschlag, dass dem Männerüberschuss mit Räu-berhauptmann Lauermann, seiner Bande und der Stadtwache Einhalt geboten werden sollte. Beim Hei-matfest gab dann eine neue Sym-bolfigur ihren Einstand. Im Festko-mitee hatte man aus vielen Vor-schlägen die erste Spremberger Spreenixe ausgewählt. Die Nixe ist der Sage nach immer eine schöne Frau. Sie hat aber einen zwiespält-igen Charakter. Die Spremberger Spreenixe ist jedoch den Menschen wohl - gesonnen, besucht sie zu festlichen und anderen Anlässen und erfreut sie.

Spreenixe

Die Sorben sind ein westslawisches Volk, das in der Lausitz lebt. Sie haben eine eigene Sprache, die sich in Obersorbisch und Niedersorbisch unterteilt. Zu besonderen Ereignissen tragen sie je nach Siedlungsgebiet ihre traditionellen Trachten. Diese unterscheiden sich in Kopfbedeck-ung, Stickerei und anderen Einzel-heiten, die in aufwändiger Hand-arbeit gefertigt werden. So die kunstvoll gebundene Haube aus Samt, Seide und Spitze sowie die schönen Bänder, die oft mit Blumen-motiven bestickt sind. Abgebildet ist eine Braut in Niedersorbischer Spremberger Tracht. Sie trägt dazu einenschwarzen Rock. Diese fest-liche Farbe ist für den Hochzeitstag vorbehalten.

Sorbische Brautjungfer

Bekannt sind die Sorben, die in Brandenburg auch als Wenden bezeichnet werden, für ihre leben-digen Bräuche wie das christliche Osterreiten, das Verzieren von Oster-eiern, die Vogelhochzeit oder das Hahnrupfen. Der Hochzeitsbitter übernimmt die zentrale Rolle im Hochzeitsbrauch tum. Er ist der traditionelle Zeremonien-meister einer sorbischen Hochzeit. Seine Aufgabe ist, die Gäste zuhause aufzusuchen und die Einladung des Brautpaares auszu-sprechen. Er stellt den Zug zur Kirche zusammen und legt damit fest, wer mit wem den Tag verbringt – und er fungiert als aufmerksamer Vermitt-ler zwischen den Gästen und den gastgebenden Familien.

Sorbischer Hochzeitsbitter

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